WIKWAY

„Qual der Wahl“ vs. „Best of the Rest“?

Erkenntnisse, Lehren und ein persönlicher Rat zur Unternehmenssuche für das studentische Pflichtpraktikum von Markus Gehrlich (Student der Westsächsischen Hochschule Zwickau).

Es ist ein großer Vorteil gegenüber anderen Studieneinrichtungen, dass Hochschulen der angewandten Wissenschaften, wie bspw. die WHZ (Westsächsische Hochschule Zwickau), ein Praxismodul verpflichtend im Modulplan vorsieht. Die Chance ein Unternehmen mit all den dort üblichen Gepflogenheiten kennenzulernen und das „business as usal“ vorab u erleben, sollte durchaus ernstgenommen werden.

Als sich am Ende meiner theoretischen Studienzeit im 5. Semesters angelangt war, stellte sich die Frage nach einem geeigneten Partner für das Pflichtpraktikum. Für meinen Studiengang der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing ist diese praktische Erprobung fest für das finale Semester vor der Bachelorarbeit eingetaktet, kann aber auch zuvor absolviert werden, solange die vorgegebene ECTS Punktzahl von 90 erreicht wurde. Laut Studienordnung ist ein Zeitraum von mindestens zwölf Wochen vorgeschrieben, wobei diese praktische Überzeugung eigener, theoretischer Fähigkeiten mit 18 ECTS Punkten inkl. dem Anfertigen eines/-r Praktikantenberichts/ -präsentation einhergehen.

Trotz dessen die Mindestzeit von zwölf Wochen, meiner Meinung nach, viel zu kurz ist - spiegelt sie doch nicht einmal ein ganzes Semester wieder - sollte die Unternehmenssuche nicht leichtfertig abgetan werden. Es obliegt natürlich jedem Studenten selbst, ob er einen Konzern als Arbeitgeber wünscht, um dort entsprechend positive Fußspuren zu hinterlassen oder ob der Betrieb im Ort aus der Kategorie KMU mit fünfzig Mitarbeitern und einer vereinfachten Wertschöpfungskette ausreicht. Dieser Problemstellung war ich mir wohl bewusst und mir war von Anfang an klar, diesen Rahmen zu sprengen und ein sechsmonatiges Praktikum anzustreben. Nicht zuletzt hatte ich dieses ambitionierte Ziel, um meinen Lebenslauf mit einem bekannten Firmennamen, einer wohlklingenden Praktikanten-Position und der daraus resultierenden Berufserfahrung zu spicken. Insbesondere letzteres spielt keine unbedeutende Rolle bei der ersten Bewerbung im Berufsleben, wie ich heute feststelle. Eben dies erfuhr ich wiederholt während meiner Arbeit bei WIKWAY und den behandelten Stellenanzeigen. Auch die Größe des Unternehmens schlägt sich nieder, gerade auf die eigene Auslastung, Aufgabenvielfalt und Betreuung. Hierzu spalten sich die Meinungen. Während die einen, unter ihnen auch Professoren, sich dafür aussprechen, dass kleine, familiengeführte Betriebe von Vorteil wären, weil die Betreuung persönlicher und intensiver, Aufgabenfelder weitreichender und persönliche Beziehung nachhaltiger wären, spreche ich mich, wie auch einige meiner Kommilitonen, für große Unternehmen oder gar Konzernstrukturen aus. Die Erfahrungen die ich in einem solchen Unternehmen machen durfte, überzeugten mich nachhaltig. Zum einen ist auch hier trotz Großraumbüro Anonymität oder eine fehlende, persönliche Beziehung zu Kollegen nicht vorhanden, zum anderen funktioniert die Kette der Kommunikation um ein Vielfaches schneller. Nicht zuletzt runden auch die sonstigen Annehmlichkeiten (z.B. Kantine, kostenfreie Sport- und Gesundheitsangebote) und ein Panorama-Blick aus dem Büro heraus die Wahl zugunsten eines etablierten Großunternehmens ab.

Es obliegt in diesem Rahmen dem Studenten nun selbst, wie er sich nach den Tätigkeitsschwerpunkten seiner Arbeit orientiert, wo und wann er die Kontakte zu Unternehmen knüpft und generell seine Prämissen setzt.

All dieser Punkte war ich mir schon Monate vor der ersten Bewerbung natürlich bewusst. Erste Begegnungen mit potenziellen Unternehmen knüpfte ich zur Zwickauer Wirtschafts- und Industriekontaktemesse ZWIK 2017, bei der ich selbst Teil des Eventteams war. Am Meisten konnte mich ein schwäbischer Sportwagenhersteller mit Tochterfirma am Standort Leipzig begeistern, bei dem ich bereits im April 2016 einen umfangreichen Bewerbertag absolvierte. Diese Marke begeisterte mich nicht zuletzt aus dem Gesichtspunkt der Stärke des Marketings sowie deren Produkte. Nach einem klärenden Gespräch an jenem Messetag wurde ich motiviert, mich online zu bewerben. Ich suchte also entsprechend meiner fachlichen Ausrichtung des Marketings nach entsprechenden Stellen in deren „Job Locator“. Aus jetziger Sicht verbiss ich mich viel zu schnell in den unbedingten Willen im Produktmanagement zu arbeiten. Ich ließ nach mehreren Tagen der Recherche keine anderen Stellenangebote mehr zu und verstrickte mich förmlich in diesen Zweig meiner Fachrichtung. Nach aufwendigen Recherchen bewarb ich mich vielfach für diesen und einen weiteren Automobilkonzern. Die örtliche Bindung ließ ich später ebenso außer Acht, denn das Marketingmanagement wird zentral im Headquarter gesteuert. Mein übereifriger Antrieb wurde auch nach dem ersten Dutzend versendeter Bewerbungen nicht belohnt, im Gegenteil. Die Zeiträume zwischen Bewerbung und Absage variierten, was die Hoffnung immer aufrechterhielt, aber den inneren Druck verstärkte, nicht zuletzt, weil sich der Starttermin für ein Praktikum immer schnelleren Schrittes näherte. Nach dem auch der zweite und dritte Automobilhersteller mir Absagen erteilte, brach ich mit meinem perfektionistischen Anspruch. Letzten Endes war meine Sicht zu engstirnig und ich akzeptierte keine andere Funktion als das des Produktmanagements. Nach einer Woche der Resignation und eines Gesprächs mit Freunden orientierte ich mich neu, stellte mich in meiner Suche breiter auf, blieb dem Marketing aber durchaus treu und begann einen neuen Anlauf mit geklärtem Blick. Die Automobilbranche verließ ich allerdings auch und das aus vielerlei Gründen. Ich erkannte auf der einen Seite die hohe Beliebtheit der Branche für allerlei Praktikanten und Absolventen, sodass das Durchsetzen gegenüber anderen Bewerbern umso schwerer sein dürfte. Eine schriftliche oder persönlich erbetene Begründung der Absagen erhielt ich in keinen der Fälle, was ich sehr bedauere, denn ob ich im Bewerbungsprozess Optimierungsbedarf habe oder es andere Gründe gibt, weiß ich bis heute nicht. Ein weiterer Punkt, der mich zuvor auf das falsche Pferd setzen ließ, war der, dass ich auf insgesamt fünf Bewerbungen unterschiedlichster Stellen im Produktmanagement nur eine schriftliche Absage bekam, vom Rest hörte ich bis heute nichts. Jedoch weiß ich jetzt, dass ich bei jeder Bewerbung hätte nachhaken sollen, denn eine mir bekannte Personalreferentin verriet mir, dass es durchaus einmal vorkommen kann, dass Bewerbungen nicht ankommt bzw. nicht im System vermerkt wird. Meine stille Hoffnung, dass es beim nächsten Unternehmen, welches mir noch nicht abgesagt hatte, klappen würde, blockierte mich für weitere Bewerbungen und Recherchen.

Es war aus der nachbetrachteten Sicht naiv zu glauben, der große Bedarf von Konzernen macht es einem leicht bei den ganz großen Playern der Wirtschaft mitzuspielen. Bei meinen Recherchen fand ich jedoch auch sehr häufig passende Stellen in KMU und mir bisher unbekannten Arbeitgebern. Und dieses waren nun das Gebot der Stunde.

Und die Umorientierung trug ihre Früchte. Über das Portal WIKWAY, das mir durch meine studentische Tätigkeit im Rahmen des Hochschulmarketings und in der Folge als studentische Nebentätigkeit gut bekannt war, fand ich zwei spannende Stellen. Die aussichtsreichste bei einer Firma, die sich auf die Fertigung von medizinischen Hilfsmitteln (Bandagen, Orthesen, Kompressionsstrümpfe, Fußeinlagen) fokussierte. Meine Bewerbung traf dort sofort auf offene Ohren, sodass ich binnen drei Tagen kontaktiert und zu einem ersten Gespräch für die Praktikantenstelle im Marketingmanagement eingeladen wurde. Die Firma präsentierte sich modern und zukunftsorientiert. Dies ging bereits bei der Ankunft am Firmensitz im thüringischen Zeulenroda deutlich hervor. Nach dem ersten Zusammenkommen wurde mir im Gespräch nahegelegt das Produktmanagement der Phlebologie näher ins Auge zu fassen. Was für eine Ironie! Die Funktion, die von Anfang an mein Ziel war und die ich wegen einer Vielzahl vergeblicher Bewerbungen und einem zu großen Zeitaufwand in meiner Suche gänzlich bei Seite legte, wurde nun meine Aufgabe für die nächsten Monate. Dieser Stelle stand nur noch ein zweiter Arbeitgeber mit ebenso großem Interesse an der Besetzung seiner Praktikantenstelle gegenüber, der sich etwa zeitgleich bei mir meldete. Die Branche lag im Flugzeugbau, also unweit der ursprünglichen Orientierung in Richtung Automobilsektor. Auch das Gespräch dort verlief gut, deren Interesse war vielleicht sogar noch größer, da die Stelle bereits seit einem Jahr mit einem Praktikanten besetzt werden sollte. Aus dem Gespräch ging deutlich hervor, dass die Stelle bzw. Abteilung Marketing und Vertreib erst neu aufgebaut werden sollte und ich hierfür im Rahmen eines sechsmonatigen Projektes erst eigene Konzepte dafür erarbeiten und vorstellen sollte. Zudem hätte man mir einen fachfremden Kollegen zur Seite gestellt. Ich hatte hier Bedenken, ob ich das als Praktikant, der seinen Horizont weiter erweitern möchte, überhaupt leisten kann. Letztlich fiel ich meine Entscheidung anhand der übrigen Konditionen, die bei dem anderen Arbeitgeber einfach besser waren. So lag meine Wahl zugunsten des 90-Jährigen Traditionsunternehmens aus Thüringen auf der Hand, zumal ich für das Produktmanagement schon immer brannte.

Und das habe ich nicht bereut...

Die Suche nach der passenden Abteilung im geeignetsten Unternehmen und die eigene Kompromissbereitschaft machen aus der Suche nach einem Praktikumsplatz einen mehrteiligen Prozess, der mehr mit sich bringt, als viele glauben. Ich habe gelernt, dass die Suche, Kontaktaufnahme und der Bewerbungsprozess seine Zeit brauchen und ich dies für die Partnerwahl in Hinsicht auf meine Abschlussarbeit beherzigen werde. Nicht zuletzt ist es der vermutlich erste und umfangreichste Kontakt eines Studenten mit der zukünftigen Berufspraxis. Die persönliche Reife profitiert dann in diesem Umfeld umso mehr.