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Das Geheimnis meines Erfolges oder die Odysee durch's Masterstudium

Cool - Studentenleben. Sorgenfrei, partygeladen und am Ende was besseres sein... Mit diesen Gedanken startete ich mein Masterstudium. Wie ich es geschafft habe, dass der Break danach vom Studium- in den Joballtag letztendlich gelang oder besser gesagt, wie ich ihn „masterte“ erzähle ich euch hier…
Das Geheimnis meines Erfolges oder die Odysee durch's Masterstudium

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Mein Name ist Lisa. Ich war Studentin an der TU Chemnitz und habe mein Master-Studium Kundenbeziehungsmanagement im April 2018 endlich abgeschlossen. Doch bis dahin war es ein harter Weg. Neben dem Studium sollte ja auch noch Platz für Familie, Freunde, Hobbys und den Nebenjob sein, man will sich schließlich auch mal einen Urlaub gönnen. Aufgrund von flexiblen Arbeitgebern, konnte ich mir die Arbeitszeit relativ frei einteilen. Super, dachte ich, der Nebenjob passt schon mal mit ins Studium, jetzt "nur noch" Familie, Freunde und Hobbys unter einen Hut bringen. Alles am Wochenende? Das war eher schwierig. Die sozialen Kontakte verlagerten sich also auf das Wochenende. Meinem Hobby, ich bin Mitglied in einer Freiwilligen Feuerwehr im Erzgebirge, konnte ich kaum noch nachgehen.

So vergingen die ersten beiden Semester im Master doch ziemlich schnell mit Vorlesungen, Projekten und natürlich Prüfungen. Schon war die Hälfte vorüber...

Im dritten Semester standen dann Projektarbeiten an, genauer gesagt Hausarbeiten. 15 Seiten in ein paar Wochen. Man könnte meinen das wäre kein Problem. Nunja, für jemanden, der den Dreh mit wissenschaftlichen Arbeiten nicht heraushat, war es die Hölle. Nach Überzeugungsarbeit durch Familie und Freunde, verflogen auch die Gedanken das Studium einfach zu beenden. Gleichzeit stieg die Panik um das Schreiben der Masterarbeit, um die ich nun einmal nicht herum kam, zumindest nicht in meinem Studiengang. Leider verging auch das dritte Semester wie im Flug und die Masterarbeit rückte näher. Aber nicht nur diese Herausforderung musste gemeistert werden, sondern auch das Suchen und Finden eines Jobs. Man kennt es gerade von Familienfeiern, wenn man von allen gefragt wird, ob man noch studiert und wie es danach weiter geht. Die Antwort: „Theoretisch kann ich überall im Büro arbeiten“, befriedigte allerdings nur die Wenigsten. Nur noch ein Semester...

Also, auf ging es zum Endspurt. Vor der Bewerbungsphase für die Masterarbeit wollte ich noch intensiv nach Jobs suchen. Denn da hatte ich noch Nerven für sowas und wie sagte die Omi immer „Was man hat, hat man.“ Außerdem beruhigte es ungemein das Gewissen, wenn man behaupten konnte, dass man sich schon im Vorfeld gekümmert hat, und nicht erst wenn die Zeit gekommen ist. Dann nämlich braucht man immer wieder Antworten auf die Frage: „Warum hast du nicht schon eher angefangen, du hast doch gewusst, dass du bald einen Job brauchst“ - und wer gesteht sich schon gerne sein Bummeln ein.

Da ich sowieso auf der Suche nach einem Nebenjob war, suchte ich also nach Unternehmen in meiner Umgebung, bei denen ich es mir vorstellen könnte auch nach meinem Studium zu arbeiten. Gesagt getan. Ich habe bei Google nach „Studentenjob Chemnitz“ gesucht und gefühlt 1.000.000 Ergebnisse erhalten - das kennt vermutlich jeder. Ganz oben finden sich Onlinestellenportale, aber auch der Career-Service und sogar eBay waren dort zu finden. Viele Stellenangebote waren doppelt und dreifach vorhanden, einige waren Festanstellungen, andere bezogen sich nicht einmal mehr auf Chemnitz und die meisten Stellen hatten keinen Bezug zu meinem Studium – und was hilft mir ein Minijob als Zeitungszusteller für meine spätere Zukunft?!

Auf einer Stellenseite von Chemnitz, fand ich dann auch einen Nebenjob im Kundenservice, passend zu meinem Studiengang Kundenbeziehungsmanagement. Super, dachte ich. Vielleicht kannst du hier auch nach deinem Studium bleiben. Nachdem die Werkstudentenstelle erstmal gesichert war, konnte ich etwas beruhigter an das Schreiben der Masterarbeit herangehen. Start ins letzte Semester...

Voller Motivation stürmte ich die Bibliothek, um die besten und so viel wie möglich Bücher auszuleihen. Nach ein paar Tagen waren 2 Seiten für das Exposé geschrieben, eine grobe Agenda hatte ich auch. Also vereinbarte ich einen Termin bei meinem Betreuer, um ihm mein Exposé zu präsentieren. „Frau G. so geht das nicht. Sie müssen schon noch mehr auf diesen Punkt eingehen und dieses Thema haben Sie komplett vernachlässigt.“ Meine Motivation war dahin. Aber so schnell lasse ich mich nicht klein kriegen. Also nochmal von vorn. Nach 2 Wochen (!) einen neuen Termin vereinbart. „Frau G. das ist schon besser, aber trotzdem müssen Sie auch das noch in Betracht ziehen. Und Ihre Methodik lässt auch zu Wünschen übrig.“

Gut, sagte ich mir, das nächste Mal wird es perfekt. Pustekuchen. 7 Exposés waren notwendig, um das OK meines Betreuers zu bekommen, damit ich die Arbeit endlich schreiben und anmelden konnte. Die Zeit rannte, denn wenn ich zu spät mit der Masterarbeit fertig werde, muss ich mich für das nächste Semester einschreiben, wieder Geld bezahlen, was sowieso schon knapp ist. Und eigenes Geld wollte ich auch endlich verdienen, um nicht noch länger meinen Eltern auf der Tasche zu liegen. Aber das Schlimmste war: "Was, wenn ich durchfalle, wenn das Studium und die Mühen umsonst war?"

Zu Beginn meines Abiturs hatte uns der Kursleiter eine Grafik vorgelegt: Der Weg des Abiturienten. Eine Zeit- und eine Motivationsachse. Es beginnt voller Motivation, eine Kurve steigt schnell an bis zum Höhepunkt im ersten Drittel, flaut dann plötzlich ab bis zum „Tal der Tränen“, erst danach geht es langsam wieder nach oben.

Da war ich also, zwar nicht mehr im Abitur, aber sehr wohl im 'Tal der Tränen', während des Studiums. Aber wie schon gesagt, ab jetzt konnte es nur noch nach oben gehen. 3 Monate vergingen wie im Flug...

Ende 2017 hatte ich meine Arbeit dann endlich zum Buchbinder gebracht und der gesamte Druck fiel plötzlich ab. Es war geschafft, die Arbeit war geschrieben und es war nichts mehr zu ändern. Nur nicht mehr lesen, sonst hätte ich womöglich den einen kleinen Rechtschreibfehler entdeckt und mich geärgert, obwohl doch nichts mehr half. Egal. Es wird schon passen, dachte ich, hoffentlich bestehe ich diese Arbeit. Familie und Freunde redeten mir gut zu: „Kann man da überhaupt durchfallen? Die Arbeit bestehst du schon. Mach dir keine Sorgen.“

Was mir wirklich Sorgen bereitete waren die Bewerbungen. Jede Woche habe ich einen Tag mit dem Schreiben von Bewerbungen verbracht - neben der Masterarbeit! Aber nicht nur das Schreiben, sondern auch das Suchen nach DEM Unternehmen nahm viel Zeit in Anspruch. Und Ansprüche hat man als Masterstudent, 50.000 € im Jahr sollte man schon angeben. Das schlugen zumindest diverse Gehaltsvergleichsportale vor. Andere Portale veröffentlichten Statistiken, wonach nicht unerheblich viele Studenten kurz nach dem Studium arbeitslos sind. Man sollte doch ein Auslandsjahr einschieben, aber das war keine Alternative für mich. Also Ansprüche heruntergeschraubt (man hat ja eh keine Ahnung wie der Hase läuft, als Absolvent), weitergesucht und weiter beworben. Über 30 Bewerbungen (!) waren mittlerweile geschrieben, jedoch kaum Rückmeldungen. Zum Teil weder eine Eingangsbestätigung noch die erhoffte Zusage. Sehr demotivierend, wenn man ein Masterstudium fast in der Tasche hat und niemand einen will – egal ob die Antwort „überqualifiziert“ oder „andere Bewerber haben bessere Qualifikationen“ lautete. Doch dann, das Glück schien mich nicht vergessen zu haben. Das erhoffte Gespräch mit meinem aktuellen Arbeitgeber stand an. Ich fragte mutig und konnte dadurch nach meinem Studium bei dem Arbeitgeber weiterarbeiten, bei dem ich meinen Nebenjob habe. Yeah…Berufseinstieg geschafft!

Zurück zu meiner Masterarbeit. Ich konnte sie vom Buchbinder holen und brachte sie stolz zum Zentralen Prüfungsamt der Universität. Noch ein letzter wehmütiger Blick, dann war sie im Briefkasten verschwunden. Voller Freude traf ich eine Kommilitonin, die ebenfalls ihre Masterarbeit abgegeben hatte. Wir kamen ins Gespräch und sie teilte mir mit, dass sie sich noch nicht über einen Job Gedanken macht und schon was finden wird. Ich war schockiert und verunsichert. Durch meine gesammelten Erfahrungen, hatte ich doch schon so viele Bewerbungen geschrieben und so viel Zeit investiert und sie hatte noch nicht mal damit begonnen. Ich war froh, dass ich schon 1 Jahr vor dem Ende des Studiums begonnen hatte, nach Jobs zu suchen. Denn ich konnte beruhigt Studiumalltag gegen Joballtag tauschen, ohne in ein Loch zu fallen. Denn ich hatte eine neue Aufgabe, es stand ein neuer Lebensabschnitt an und ich schöpfte unglaubliche Motivation daraus. Vielleicht ist es nicht 100% der Traumjob, aber als Berufseinsteiger kann ich nun erste Praxiserfahrung sammeln und mich behaupten und wer weiß was da noch kommt, dachte ich mir.

Während die Uni meine Masterarbeit kontrollierte, tauchte ich ins Arbeitsleben ein. Schon interessant all die neuen Prozesse, Verantwortlichkeiten, Terminschienen und das Kollegenleben.

Als Masterabsolventin übernahm ich nur gerade den Job einer Sachbearbeiterin - das hatte ich mir anders vorgestellt und dies wurde mir schnell klar. Die Perspektiven waren nach ersten Personalgesprächen für mich nicht greifbar, daher tat ich was ich gewohnt war: Ich schrieb weiterhin Bewerbungen, jedoch etwas entspannter als vorher, denn der Druck war nicht mehr so groß, das Einkommen erstmal gesichert. Nach weiteren 10 Bewerbungen war er endlich da – die Stellenanzeige zu meinem Traumjob. Schnell Bewerbung geschrieben und abgesendet, bevor es jemand anders tat und mir die Stelle wegschnappte. Auch wenn es schon nach 22.00 Uhr ist. Die Bewerbung musste noch verschickt werden, dann ist meine Email im Postfach ganz oben, und wird hoffentlich nicht übersehen. Ein Tag später erhielt ich eine Eingangsbestätigung. Oh Wunder. Es gibt noch Firmen, die sowas machen. Danke, jetzt weiß ich als Bewerber, dass meine Bewerbung auch nicht übersehen wurde. Kurz darauf wurde ich zum Bewerbungsgespräch eingeladen.

Das Tal der Tränen war überstanden. Ich bekam im Frühjahr 2018 die Nachricht, dass ich meine Masterarbeit bestanden hatte und diese nun verteidigen konnte. Im April war es soweit. Die Verteidigung war geschafft und ich hatte nun offiziell meinen Masterabschluss in der Hand.

Kurz darauf eine Nachricht von der Personalerin meines Traumjobs. Ich wurde zum 2. Gespräch eingeladen. Danach wieder warten bis sich jemand meldet. Und tatsächlich - ich wurde eingestellt!

Auch wenn man sich auf einer Straße verfährt, in Baustellen feststeckt oder zwei Runden im Kreisverkehr dreht, weil man die Ausfahrt verpasst hat, hört man doch am Ende vom Navigationsgerät die erlösenden Worte: „Ziel erreicht.“ Dazu muss man sich jedoch auf den Weg machen.

Ich bin angekommen!

 

Meine Kommilitonin übrigens auch: in irgendeinem Callcenter - als Masterabsolventin... ;)