Das Anschreiben: So überzeugen Sie von Anfang an

Erstellt am: 04.06.2026  | Lesezeit: 4 Min.  | Wortanzahl: 876  | Tags: Bewerbung & Karriereeinstieg

Das Anschreiben ist häufig der erste Teil einer Bewerbung, den Personalverantwortliche lesen. Oft entscheidet bereits der Einstieg darüber, ob Interesse geweckt wird und die restlichen Bewerbungsunterlagen genauer betrachtet werden. Umso wichtiger ist es, das Anschreiben sorgfältig zu formulieren. Es soll zeigen, warum Sie sich für die Position interessieren, weshalb Sie zum Unternehmen passen und welchen Mehrwert Sie mitbringen. Dabei geht es nicht darum, den Lebenslauf zu wiederholen, sondern die eigene Motivation und Eignung überzeugend darzustellen.

Warum das Anschreiben weiterhin wichtig ist

Auch wenn Bewerbungsprozesse zunehmend digital ablaufen, hat das Anschreiben seinen Stellenwert nicht verloren. Viele Bewerbende reduzieren Ihre Bewerbung leider ausschließlich auf die Übersendung des Lebenslaufes mit Zeugnissen und Zertifikaten und Verschenken so ein aussagekräftiges Alleinstellungsmerkmal der eigenen Bewerbung. Es bietet die Möglichkeit, Ihrer Bewerbung eine persönliche Note zu geben und Zusammenhänge zu erklären, die im Lebenslauf nicht unmittelbar sichtbar werden. Ein gutes Anschreiben beantwortet für Arbeitgeber vor allem eine zentrale Frage: Warum sollten wir gerade Sie kennenlernen? Dabei zählt nicht die Länge des Textes, sondern die Qualität der Inhalte. Klare Aussagen und eine nachvollziehbare Motivation hinterlassen meist einen besseren Eindruck als lange und allgemeine Formulierungen.

Welche Fragen ein gutes Anschreiben beantworten sollte

Personalverantwortliche möchten möglichst schnell erkennen, warum eine Bewerbung relevant ist. Deshalb sollte Ihr Anschreiben einige grundlegende Fragen beantworten.

Wie sind Sie auf die Stelle aufmerksam geworden?

Nennen Sie kurz, wie Sie auf das Unternehmen oder die ausgeschriebene Position aufmerksam geworden sind. Das kann über eine Stellenbörse, eine Karrieremesse, persönliche Kontakte oder die Unternehmenswebsite erfolgt sein.

Warum interessiert Sie die Position?

Erklären Sie, weshalb Sie sich genau auf diese Stelle bewerben. Je konkreter Ihre Begründung ausfällt, desto glaubwürdiger wirkt Ihre Motivation. Ja, sie dürfen gerne mitteilen, was Sie in dem Unternehmen bzw. der Tätigkeit alles lernen wollen. Bitte vergessen Sie jedoch nicht, dass, wenn Sie sich für den Berufseinstieg oder eine Stelle bewerben, was das Unternehmen davon hat, wenn Sie eingestellt werden.

Warum möchten Sie für dieses Unternehmen arbeiten?

Unternehmen suchen nicht nur passende Fachkräfte, sondern auch Mitarbeitende, die zur Unternehmenskultur passen. Zeigen Sie deshalb, dass Sie sich mit dem Unternehmen beschäftigt haben und dessen Werte oder Ausrichtung kennen. Warum glauben Sie, dass Sie gut in das Unternehmen passen könnten?

Welche zusätzlichen Qualifikationen bringen Sie mit?

Neben den geforderten Fähigkeiten können auch zusätzliche Kenntnisse interessant sein. Dazu zählen beispielsweise:

  • Fremdsprachenkenntnisse
  • Auslandserfahrungen
  • besondere Softwarekenntnisse
  • ehrenamtliches Engagement
  • Projekt- oder Führungserfahrung

Wichtig ist dabei, dass diese Qualifikationen auch im Lebenslauf nachvollziehbar aufgeführt werden.

Das Anschreiben ist keine Wiederholung des Lebenslaufs

Ein häufiger Fehler besteht darin, den Lebenslauf Satz für Satz in Fließtext umzuwandeln. Das Anschreiben sollte stattdessen die wichtigsten Stationen einordnen und deren Bezug zur ausgeschriebenen Stelle verdeutlichen. Personalverantwortliche können den Lebenslauf selbst lesen. Im Anschreiben erwarten sie zusätzliche Informationen, Motivation und persönliche Argumente.

Statt zu schreiben:

„Von 2022 bis 2025 war ich als Projektmanager tätig.“

ist beispielsweise folgende Formulierung aussagekräftiger:

„In meiner bisherigen Tätigkeit als Projektmanager konnte ich umfangreiche Erfahrungen in der Steuerung interdisziplinärer Teams sammeln und komplexe Projekte erfolgreich umsetzen.“

Die richtige Betreffzeile wählen

Die Betreffzeile sollte klar und eindeutig formuliert sein. So kann die Bewerbung direkt der richtigen Stelle zugeordnet werden.

Beispiel:

Bewerbung als Vertriebsingenieur (Kennziffer 12345)

Bei Initiativbewerbungen kann die Formulierung entsprechend angepasst werden:

Initiativbewerbung im Bereich Technischer Vertrieb

Auf kreative oder besonders originelle Betreffzeilen sollte verzichtet werden. Klarheit wirkt hier meist professioneller.

Formale Gestaltung des Anschreibens

Neben dem Inhalt spielt auch die Form eine wichtige Rolle. Ein übersichtliches Anschreiben wirkt professionell und erleichtert das Lesen.

Bewährt hat sich die Orientierung an den Grundsätzen der DIN 5008 für Geschäftsbriefe. Dazu gehören insbesondere:

  • vollständige Kontaktdaten
  • aktuelles Datum
  • aussagekräftige Betreffzeile
  • klare Absatzstruktur
  • höfliche Schlussformel

Am Ende des Anschreibens genügt heute meist der Hinweis:

Anlagen

Eine detaillierte Auflistung aller beigefügten Dokumente ist in den meisten Fällen nicht mehr erforderlich.

Typische Fehler im Anschreiben

Viele Bewerbungen scheitern nicht an fehlenden Qualifikationen, sondern an vermeidbaren Fehlern.

Zu den häufigsten gehören:

  • Standardanschreiben ohne Bezug zur Stelle
  • Wiederholung des Lebenslaufs
  • Rechtschreib- und Grammatikfehler
  • unklare Motivation
  • zu allgemeine Aussagen
  • fehlende Individualisierung

Wer sein Anschreiben auf die jeweilige Position zuschneidet, hebt sich häufig bereits positiv von anderen Bewerbern ab.

Checkliste für das fertige Anschreiben

Vor dem Versand der Bewerbung lohnt sich ein letzter Blick auf die wichtigsten Punkte:

  • Ist die Betreffzeile eindeutig formuliert?
  • Wird klar, warum Sie sich bewerben?
  • Ist Ihre Motivation nachvollziehbar beschrieben?
  • Gehen Sie auf das Unternehmen ein?
  • Werden relevante Qualifikationen hervorgehoben?
  • Enthält das Anschreiben keine Rechtschreibfehler?
  • Wiederholt der Text nicht einfach den Lebenslauf?

Fazit

Das Anschreiben bleibt ein wichtiger Bestandteil vieler Bewerbungen. Es bietet die Möglichkeit, Motivation, Persönlichkeit und fachliche Eignung in einen nachvollziehbaren Zusammenhang zu bringen. Wer die Erwartungen der Personalverantwortlichen kennt, auf Standardformulierungen verzichtet und seine Argumente klar auf die ausgeschriebene Stelle ausrichtet, erhöht die Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch deutlich. Ein gutes Anschreiben überzeugt nicht durch kreative Floskeln, sondern durch Authentizität, Relevanz und eine klare Botschaft.


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